Freelance Jobs in Kolumbien

Wie Lateinamerikaner mit digitalen Freelance-Jobs der Krise trotzen

Wie überstehen die Menschen in den vom Coronavirus hart getroffenen lateinamerikanischen Ländern die aktuelle Zeit? Diese Frage stellen sich wohl manche Europäer, die momentan ein relativ normales Post-Corona-Leben führen und in den Nachrichten von den steigenden Infektionszahlen aus Brasilien, Mexiko oder Ecuador erfahren.

Kreative Lösungen

Dieser Text ist weit davon entfernt, eine Antwort auf diese vielschichtige Frage zu geben. Er soll jedoch ein Phänomen beleuchten, das in vielen lateinamerikanischen Ländern zu beobachten ist. Es scheint nämlich, als komme bei vielen Lateinamerikanern in diesen schwierigen Zeiten eine besondere Stärke zum Tragen: ihre Flexibilität und Kreativität für Lösungen in schwierigen Lebenslagen. So schaffen sie es häufig irgendwie, der Krise die Stirn zu bieten.

Strassenkünstler in Cartagena

Dieser Venezolaner suchte wie viele andere eine bessere Zukunft in Kolumbien und verdient seinen Lebensunterhalt als Spiderman-Strassenkünstler (Bild: Econocol)

Digitale Nomaden

Konkret ist zu beobachten, dass die Digitalisierung des Arbeitsmarkts in vielen lateinamerikanischen Ländern momentan einen besonders starken Schub erfährt. Die sogenannten Freelance-Jobs oder Jobs für digitale Nomaden breiten sich stetig aus. Besonders die kolumbianische Jugend, des Mangels an formellen Beschäftigungsmöglichkeiten und anständiger Löhne müde, hat begonnen, in grossem Stil Freelance-Tätigkeiten im Internet anzubieten.

Angebote auf fiverr.com

Freelance-Jobs auf dem Online-Marktplatz fiverr.com (Bild: fiverr.com)

Ein Beispiel hierfür sind die vielen Kolumbianerinnen und Kolumbianer, die von ihrem Computer aus Nachhilfeunterricht aller Art online anbieten und dafür US-Dollar einkassieren. Fachleute verschiedenster Branchen und Personen, die vielfältige Services aller Art anbieten, tummeln sich beispielsweise auf dem Online-Marktplatz fiverr.com. Es handelt sich dabei nicht nur um bekannte virtuelle Tätigkeiten wie das Programmieren von Webseiten oder Online-Marketing. Stark im Kommen sind auch:

Virtuelle Radiologen

Die virtuellen Radiologen werden von Krankenhäusern und Versicherungsunternehmen beauftragt, sie aus der Ferne zu beraten oder zu unterstützen. Dazu werden die Bilder des Patienten digital übertragen, bevor sich der Hausarzt per Videokonferenz zuschaltet.

Virtuelle technische Redakteure

Technische Redakteure sind dafür verantwortlich, technische Dokumentationen wie eine Bedienungsanleitung oder einen Projektvorschlag zu verfassen. Sie machen den komplizierten Fachjargon für ein breiteres Publikum verständlich, ohne dass dieser seine Bedeutung verliert.

Virtuelle Steuerberater

Unternehmen stellen diese freiberuflichen Fachkräfte ein, um Einkommensteuererklärungen für sie zu erstellen.

Virtuelle Sexarbeiterinnen

Junge Frauen bieten sich auf Webseiten für Erwachsene als «Webcam-Modelle» an und verdienen damit bis zu 5000 US-Dollar pro Monat. Sie zahlen dafür aber auch den Preis der Stigmatisierung für den Verkauf ihres Körpers über das Internet.

Das Internet als Chance

Die virtuellen Marktplätze sind auch Schauplätze neuer rechtlich oder moralisch zweifelhafter Angebote. Nichtsdestotrotz bieten die Freelance-Jobs über das Internet vielen Menschen, gefangen in den Häusern aufgrund der Ausgehverbote, gerade derzeit einen Ausweg aus einer hoffnungslosen Situation.

 

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